Staatliche Realschule Ebern
"Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule".
D – wie Dank
Allen, die unsere Schule unterstützt haben, danke ich herzlich und ohne dass ich sie namentlich erwähne, bekunde ich den Mitstreitern und Mithelfern, die ihre Zeit und ihre Arbeitskraft unserer Schule zur Verfügung gestellt haben, meinen Respekt.
Zusammen können wir viel erreichen. Das haben 50 Jahre Realschule Ebern gezeigt und ich spreche nochmals allen Helfern und Mitgestaltern der 50-Jahr-Feier den aufrichtigen Dank der ganzen Schulfamilie aus.
Nach wie vor haben wir viel Arbeit vor uns und benötigen eine große Portion Kraft und Ausdauer, um die täglich auf uns zukommenden Probleme zu lösen.
Zum Wohle unserer Schüler und Schülerinnen werden wir unseren Unterricht, unsere Umgebung und unsere Schulfamilie weiterentwickeln. Unsere Lehrkräfte, die Schüler und Schülerinnen und die Elternschaft haben noch viele neue Ideen, die umgesetzt werden wollen, und auch die nötige Tatkraft, diese um zu setzten. Und eines Tages, da bin ich mir sicher, werden die meisten sagen, wir haben viel geleistet und gelernt in unserer Zeit.
R – wie Rückblick
Leben, lernen oder unterrichten in der Staatlichen Realschule Ebern ist Grund genug für eine Dokumentation und Würdigung der wichtigsten Ereignisse des vergangenen Schuljahres.
In den Beiträgen können Sie das Wesentliche des Schuljahres 2008/2009 nachlesen und darin auch Einblick nehmen in unsere außerunterrichtlichen Aktivitäten.
Es muss besonders erwähnt werden, dass wir nach 50 Jahren einen mehrheitsfähigen Namen (Schulaufsichtsbehörde, Lehrerkollegium, Schülerschar, Elternbeirat und Schulforum) für unsere Schule gefunden haben. Das Suchen einer geeigneten Persönlichkeit war schwierig. Diese Persönlichkeit sollte Charakter haben, soziales Engagement vorweisen können, gute Werte verkörpern, mit Ebern verbunden und nicht langweilig sein.
In Herrn Dr. Ernst Schmidt haben die Schüler und Schülerinnen diese Persönlichkeit gefunden, die dann ohne Schwierigkeiten von allen weiteren Gremien akzeptiert wurde. Die Genehmigung durch das Landratsamt im Mai 2009 war naturgemäß eines der wichtigen Ereignisse im vergangenen Schuljahr.
Besonders erfreulich an der Wahl von Herrn Dr. Ernst Schmidt ist der Umstand, dass aus seinem Lebensweg ein Leitbild für unsere Schule entwickelt werden kann. Dazu und zu seinem Lebensweg will ich Ihnen nun einige Gedanken vorstellen. Die Informationen über und das Bild von Herrn Dr. Ernst Schmidt stammen in der Hauptsache aus dem Buch von
Axel W.-O.Schmidt:
Der rothe Doktor von Chicago – ein deutsch-amerikanisches Auswandererschicksal: Biographie des Dr. Ernst Schmidt, 1830-1900, Arzt und Sozialrevolutionär,
veröffentlicht 2003, Peter Lang, Frankfurt a. M.
E – wie Ebern
Dr. Ernst Schmidt wurde am 02. März 1830 in Ebern geboren – gestorben 1900 in Chicago. Seine Familie wohnte in der ehemaligen Stadtapotheke von Ebern. Der Vater, Michael Schmidt, war Apotheker und wurde von 1854 bis 1864 dreimal zum Bürgermeister von Ebern gewählt. 1858 wurde dieser Landtagsabgeordneter und 1863 in diesem Amt wiedergewählt.
Für das Leitbild: Wurzeln
R – wie Revolutionär
Mit etwa 18 Jahren begann Dr. Ernst Schmidt sich politisch zu betätigen. Er war Gründungsmitglied des Märzvereins am 10. Dezember 1848 und Redner bei zahlreichen Volksversammlungen im Frühjahr 1849. In Ebern leitete er eine Volksversammlung mit über 5000 Teilnehmern.
Seine Aktivitäten wurden frühzeitig von den Behörden bemerkt, zur Kenntnis genommen und aktenkundig gemacht. Schmidt wird dort als ein Student der Medizin, Wohnort in Ebern, Mitarbeiter einer politischen Wochenzeitschrift, Präsident eines Comites der Volksversammlung und aufregender Redner beschrieben.
Für das Leitbild: Politisches Bewusstsein und Engagement
N – wie Nordstaaten
Schmidt wanderte 1857 nach seiner Heirat mit seiner Frau in die USA aus. Dort unterstützte er den Präsidentschaftswahlkampf Abraham Lincolns, nahm am amerikanischen Bürgerkrieg aufseiten der Nordstaaten teil und engagierte sich in der Arbeiterbewegung. 1886 war er im Verteidigungskomitee der als "Anarchisten" angeklagten Chicagoer Arbeiterführer. Er bemühte sich vergeblich um deren Begnadigung. Sie waren wegen eines Bombenanschlags auf dem Haymarket in Chicago angeklagt.
Für das Leitbild: Tapferkeit und Mut
S - wie Sklaverei
Er war ausgesprochener Gegner der Sklaverei und wurde wegen seines Kampfes gegen die Sklaverei in Amerika angefeindet. Zeitweise musste er seine Arztpraxis schließen, da wegen seiner Haltung die zahlungskräftigen Patienten sich nicht mehr von ihm behandeln ließen.
Für das Leitbild: Einsatz für Menschenrechte
T – wie Tätliche Menschenliebe
Auf die Frage: "Was schulde ich Ihnen, Doktor?", pflegte Ernst Schmidt zu antworten: "In meinem Wartezimmer steht eine Büchse, tun Sie dort hinein, was Sie für angemessen halten."
Für das Leitbild: Barmherzigkeit
S - wie Studentenschaft
Schmidt war Mitbegründer der Studentenverbindung „Palladia“ die später in die Burschenschaft „Teutonia“ überging.
Für das Leitbild: Gründung von Netzwerken
C - wie Charakter
Dr. Ernst Schmidt war eine starke und überzeugende Persönlichkeit.
Der Artikel 131 der bay. Verfassung, Satz 1 sagt: Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
Der Charakter gilt heute mehr als Gesamtheit wiederkehrender psychischer Verlaufsgestalten (also das seelische Antriebs-potenzial – Mut, Intelligenz, Selbstbewusstsein, Fairness, Zuverlässigkeit, Treue, Ehrlichkeit, Altruismus...). Der Begriff wird meist abgelöst durch den der Persönlichkeit der zusätzlich die spezifischen Wirkungen der Umwelt auf das Individuum umfasst.
Herrn Schmidt´s Charakter weist noch eine andere Facette auf. Überraschend ist seine literarische Tätigkeit. Besonders beachtenswert sind seine Gedichte und seine Übersetzungen englischsprachiger Autoren, u.a. von Longfellow, Markham und Poe (Der Rabe).
Für das Leitbild: Sensibilität und Vorbildfunktion
1857 wanderte Dr. Ernst Schmidt mit 27 Jahren nach Amerika aus. Drei Wochen vorher heiratete er und verabschiedete sich von seiner alten Heimat.
Neben religiösen Motiven (17 Jahrh.) spielten politische Gründe eine Rolle für die Auswanderer. Dies galt vor allem für die „1848-er Generation“, aus der viele Vertreter nach der gescheiterten Revolution ins Ausland flohen. Im 19. Jahrhundert waren es allerdings meist wirtschaftliche Gründe, Armut infolge von Missernten und Überbevölkerung, Zerstörungen durch Krieg und mangelnde Arbeitsperspektive, die zu dem Entschluss führten, in einer neuen Heimat das Glück zu suchen. Im Gegensatz zu Europa, das bei eher geringen Ressourcen einen Überschuss an Arbeitskräften hatte, mangelte es in Amerika an arbeitsfähigen Menschen. Darüber hinaus übte das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ eine starke Anziehungskraft vor allem auf junge Menschen aus. Die Kenntnisse über dieses Land waren oft spärlich, umso phantasievoller stellte sich mancher Auswanderer seine „goldene Zukunft“ in Amerika vor.
Dr. Ernst Schmidt war einer der beliebtesten Deutschamerikaner. Die "German Fortyeighters" hatten durchaus Einfluss auf die politische Entwicklung in Amerika.
Dr. Ernst Schmidt kehrte mehrmals in seine alte Heimat zurück. 1874 besuchte er Bad Kissingen und traf dort mit Bismarck zusammen.
Für das Leitbild: Notlagen, Träume und Abenteuer
M - wie Medizin
Er studiert seit 1848 an der Universität in Würzburg Medizin und promovierte 1952 mit dem Thema: „Über die staatliche Sorge für die Gesundheit der Bürger“
Im Juliusspital in Würzburg lernte er Professor Rudolf Virchow kennen. Auch Virchow beteiligte sich aktiv an der Märzrevolution und musste deswegen von Berlin an die Universität Würzburg wechseln. Später arbeitet er wieder an der Charité in Berlin. Virchow setzt sich ebenfalls für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ein und wollte durch kommunale Krankenhäuser, Parks und Kinderspielplätze die Lage des städtischen Proletariats verbessern. “Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“ Was für ein Ideal!
In Amerika praktizierte Dr. Ernst Schmidt auch als Gerichtsmediziner. Später war er Präsident der Chicago Medical Society und Chefarzt des Michael Reese Hospital in Chicago und eine große Persönlichkeit mit hohem Ansehen.
Für das Leitbild: Soziales Engagement und Bildung
I - wie Identität
Der Name einer Schule dient der Hervorhebung der Eigenständigkeit der Schule und soll diese auch von anderen Schulen unterscheiden.
Ich denke zudem, dass sich unsere Schüler und Schülerinnen vor allem mit den Werten und dem jugendlichen Enthusiasmus von Dr. Ernst Schmidt sehr leicht identifizieren können.
Für das Leitbild: Orientierungshilfe,
Glaube an Ideale und Unterstützung des Selbstwertgefühls
D - wie Deutsch
Deutsche Revolution von 1848/49 – bezogen auf die erste Revolutionsphase des Jahres 1848 auch Märzrevolution – wird das revolutionäre Geschehen bezeichnet, das sich zwischen März 1848 und Spätsommer 1849 im Deutschen Bund und den zu dessen mächtigsten Staaten Österreich und Preußen gehörenden Gebieten außerhalb des Bundes ereignete.
Deutschland war kein Staat, sondern ein aus 36 souveränen Einzelstaaten bestehender Staaten-bund. Die Ziele der Revolution von 1848/49 waren einen Bundesstaat nach amerikanischem Vorbild zu schaffen und gleichzeitig mehr Mit-bestimmungsrechte für die Bürger zu erreichen.
Das liberale deutsche Bürgertum kämpfte für ein doppeltes Ziel: nationale Einheit und freiheitliche Verfassungen.
Situation vor dem Ausbruch der revolutionären Erschütterungen:
Bürokratische Bevormundung der Bürger, Beschränkung der politischen Mitspracherechte, Vorrang des Adels, politische Macht in der Hand einer kleinen bürgerlichen Oberschicht, Massenentlassungen in der Berliner Industrie und Panikkäufe an der Börse bildeten den Hintergrund für die zunehmende öffentliche Unruhe. Die katastrophale Wirtschaftslage führte zum Zusammenbruch zahlreicher Fabriken und Handelshäuser und damit zum weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahl.
Forderungen nach Reformen
Am 27. Februar 1848 fordert der radikale Demokrat Gustav von Struve in einem Manifest an den badischen Landtag Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft. Im Einzelnen verlangt er:
1. Aufbau von Volksmilizen (Abschaffung der stehenden Heere),
2. Pressefreiheit
3. Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands,
4. Sofortige Herstellung eines deutschen Parlaments.
Mit der Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche war eine der wichtigsten »Märzforderungen« erfüllt. Die so genannte Paulskirchenverfassung war die erste demokratisch beschlossene, jedoch nie in Kraft getretene Verfassung für ganz Deutschland. Sie wurde als Verfassung des Deutschen Reiches am 27. März 1849 von der verfassungsgebenden Nationalversammlung beschlossen, die nach der Märzrevolution von 1848 in der Paulskirche in Frankfurt am Main zusammengetreten war. Am 28. März 1849 wurde sie durch die Aufnahme ins Reichsgesetzblatt amtlich verkündet. Sie scheiterte am Widerstand der deutschen Fürsten, insbesondere des Königs von Preußen.
Für das Leitbild: Vermittlung der deutscher Geschichte – Sensibilität für die Entstehung von Staatsverfassungen
T – Temperament und Tatkraft
Das Temperament beschreibt die Art und Weise, wie ein Lebewesen agiert und reagiert, seinen Verhaltensstil also. Es sind vor allem vier Merkmale, mit denen Psychologen heute das Temperament beschreiben.
Aktivität – Kraft, Stärke und Geschwindigkeit der Bewegungen, des Denkens und Sprechens
Reaktivität – Tempo und Stärke, mit der man auf äußere Reize reagiert, wie offen man für Reize ist.
Emotionalität – Häufigkeit und Stärke, mit der Gefühle geäußert werden und die Stimmungen wechseln.
Soziabilität – der Wunsch, die Nähe anderer zu suchen, und die Art und Weise, mit ihnen umzugehen.
Einer der Begründer der burschenschaftlichen Geschichtsforschung beschreibt den jungen Dr. Ernst Schmidt aus Ebern als einen „genial veranlagten Feuerkopf, der sich ohne Besinnen in den Strudel der radikal-politischen Bewegung stürzte, im Auftrag des Märzvereins 1849 eine „Anleitung zur Stiftung von Märzvereinen auf dem Lande“ herausgab und seine politische Führerrolle mit zweimaliger Relegation zu büssen hatte.“...
Dr. Ernst Schmidt lebte seine Überzeugung und hielt auch die unangenehmen Konsequenzen als Folge seines Handelns aus. Er nahm Rückschläge und finanzielle Verluste in Kauf. Er kämpfte für soziale Gerechtigkeit, für die Freiheit und die Gesundheit von Menschen.
Er hatte Träume und realisierte sie.
Für das Leitbild: Verantwortung für sein Tun
Die staatliche Realschule Ebern freut sich über ihren Namensgeber und wertschätzt seine Persönlichkeit und schöpft Kraft aus seinem Temperament.
Dr. Ernst Schmidt
Geboren: 2 März 1830 in Ebern
Gestorben:26 August 1900 in Chicago
Vater: Georg Schmidt
Mutter: Kunigunde Schmidt geb. Rumpf
August 1840: Besuch der Lateinischen Jesuiten-Schule
in Bamberg
1847/48: Besuch des Nürnberger Gymnasiums
November 1852: Promotion zum Doktor der Medizin
April 1857: Hochzeit mit Therese Weikard in Ebern
Mai 1857: Auswanderung in die USA
Juni 1859: Geburt des ersten Sohnes Frederick Michael Schmidt
März 1861: Geburt des zweiten Sohnes Richard Schmidt
Dr. Ernst Schmidt